Kanzlei Albrecht in Warburg-Scherfede
Rechtsanwälte und Steuerberater

Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung

Bis zum Jahr 2004 waren Rentner, die keine weiteren Einkünfte beziehen nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Seit 2005 müssen auch Rentner, bei denen das zu versteuernde Einkommen den Grundfreibetrag (2020 beträgt dieser 9.408 Euro) übersteigt, eine Steuererklärung abgeben.

Bei Rentenbeginn bis einschließlich 2005 ist die Rente zu 50 % steuerfrei. Der Besteuerungsanteil steigt jedoch jährlich um 2 % (bis 2020) bzw. 1 % (ab 2021). Bei Rentenbeginn 2020 liegt der steuerpflichtige Teil bereits bei 80 %. Aus diesem Grund besteht für immer mehr Rentner die Pflicht, eine Steuererklärung abzugeben.


Was passiert, wenn keine Steuererklärung abgegeben wird?

Dem Finanzamt werden die Rentenbezüge von der Deutschen Rentenversicherung elektronisch mitgeteilt. Liegt eine solche Mitteilung vor, ohne dass eine Steuererklärung abgegeben wurde, hat das Finanzamt mehrere Möglichkeiten:

Aufforderung zur Abgabe einer Steuererklärung

 Das harmloseste Mittel ist die Aufforderung zur Abgabe einer Steuererklärung unter Fristsetzung.

Androhung und Festsetzung eines Zwangsgeld

Das Finanzamt kann androhen, dass ein Zwangsgeld festgesetzt wird, wenn die Steuererklärung nicht bis zu einer bestimmten Frist eingereicht wird. Dieses Mittel wird bei Rentnern üblicherweise nicht genutzt.

Schätzung der Steuern

Erfolgt nach der Aufforderung keine fristgerechte Abgabe, wird das Finanzamt die Steuern schätzen und einen Einkommensteuerbescheid auf Grundlage der Meldung der Deutschen Rentenversicherung erlassen. Die Steuern sind innerhalb eines Monats zu entrichten.


Was kann ich im Voraus unternehmen?

 Klären Sie nach Ablauf des ersten Jahres, in dem Sie Rente beziehen, ob Sie verpflichtet sind, eine Steuererklärung abzugeben.

Üblicherweise überschneiden sich im ersten Jahr des Rentenbezuges Lohneinkünfte und Rentenbezüge (z.B. Arbeitslohn bis September, Rente ab Oktober). Von Ihrem Arbeitgeber erhalten Sie mit der letzten Lohnabrechnung eine Lohnsteuerbescheinigung für das Kalenderjahr. Von der Deutschen Rentenversicherung erhalten Sie üblicherweise im Januar oder Februar des Folgejahres eine Bescheinigung über die Rentenbezüge des Vorjahres.

Vereinbaren Sie einen Termin mit uns oder lassen Sie sich telefonisch beraten. Wir sorgen für die Berücksichtigung von Abzugsbeträgen (z.B. Werbungskosten, außergewöhnliche Belastungen, Sonderausgaben, haushaltsnahe Dienstleistungen) und informieren Sie über mögliche Steuernachzahlungen oder -erstattungen.

 

Welche Möglichkeiten bestehen, wenn bereits ein Bescheid erlassen wurde?

Liegt bereits ein Bescheid vor, ist zügiges Handeln erforderlich. Die Einspruchsfrist beträgt einen Monat. Ist dieser Monat verstrichen, bestehen teilweise noch Änderungsmöglichkeiten. Dies hängt vom Einzelfall ab.

Die Finanzverwaltung berücksichtigt die Renteneinkünfte regelmäßig zutreffend. Die sich steuermindernd auswirkenden außergewöhnlichen Belastungen, Sonderausgaben oder haushaltsnahen Dienstleistungen sind dem Finanzamt üblicherweise nicht bekannt und können im Schätzungsbescheid nicht berücksichtigt werden. Vereinbaren Sie hierzu einen Termin mit uns. Wir beraten Sie, welche Kosten noch zu Ihren Gunsten berücksichtigt werden können.

Sollte ein Verspätungszuschlag festgesetzt worden sein, besteht – wenn Ihnen die Steuererklärungspflicht nicht bekannt war – in vielen Fällen auch die Möglichkeit die Aufhebung zu erwirken.